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Prad (Italien)_28.08.2011

In der Antike musste Odysseus die schwersten Prüfungen bestehen um als Held in Homers Sage in die Geschichte einzugehen. Ähnlich wie ihm damals bot sich uns im Heute der Gipfel des Stilfser Joch alles auf, sich nicht bezwingen zu lassen und machte so die wagemutigsten Mitglieder des SV „Werra 07“ zu Helden.

Eine der kühnsten Gebirgsstraßen der Welt windet sich in schwindelnde Höhen - die Stilfser-Joch-Gebirgsstraße.48 Kehren legten die Straßenbauer des Österreichischen Kaiserreichs zwischen 1820 und 1826 in die Steilflanke, um in geradezu kunstvoller Art und Weise die 1900 Höhenmeter von den Vinschgauer Apfelplantagen ins ewige Eis auf 2757 Meter zu überwinden.

Acht Mitglieder des SV „Werra 07“ wollten zu Ehren der 125 jährigen Tradition des Radsport in Hildburghausen etwas besonderes leisten und reisten am vergangenen Wochenende dafür nach Italien. Etliche Trainingseinheiten waren als Grundlage absolviert worden, doch der Respekt vor diesem Riesen ließ jeden Anflug von Leichtsinnigkeit verfliegen.

Von schnellen Wetterumschwüngen hatten wir gehört, gegen schwindende Kräfte, Hungerast, Dehydrierung waren wir gerüstet. Für jede weitere Herausforderung hatten wir unseren unbändigen Willen. Egal, was uns erwartet, wir wollten nur eines – oben ankommen! Wir sollten auf die härteste Probe gestellt werden, denn außer uns waren am Samstag kaum Radler unterwegs.

Bei Sonnenschein und angenehmen 21 °C setzten wir uns 28 km von unserem Ziel entfernt in Bewegung. Schon nach wenigen Kilometern fing es an zu nieseln und ging dann in heftigen Dauerregnen über. Mit ständigem Tritt produzierten unsere Körper genügend Energie, dem zu trotzen. Alle waren guter Dinge und wir kamen gut voran. Doch stellte sich bei allen langsam das Gefühl ein, dass selbst nach 1 Stunde nicht einmal die Hälfte geschafft war und die ganz steilen Abschnitte noch vor uns lagen.

Als wir die schützende Baumgrenze passiert hatten, umschloss uns dichter Nebel. Er verhüllte was noch alles vor uns, besser über uns lag. Die einzige Abwechslung waren jetzt nur noch die Schilder mit den Zahlen in den Kehren, denn jede ist bis auf den Gipfel nummeriert. Wenn der Nebel doch kurz aufriss, empfing uns starker eisiger Wind. Noch etwa 12 Kehren vor uns, fing es an, über uns zu blitzen und zu donnern und in den Regen mischten sich Hagelkörner. Die Temperatur war bis dahin auf 5 °C gesunken.

Jetzt gab es auch kein Zurück mehr, denn vorsorglich hatten wir unseren Transporter auf dem Gipfel platziert. Die wohl beste Entscheidung überhaupt. Darin wartete nicht nur Essen und trockene Kleidung auf uns, viel mehr auch die einzige sichere Möglichkeit, heil wieder ins Tal zu kommen.

Die Hagelkörner wurden immer größer und heftiger Wind ließ sie wie Nadelspitzen auf Arme und Beine einstechen. Damit aber noch lange nicht genug. Wie um unseren unerschütterlichen Willen endlich brechen zu wollen, fing es auf den letzten Kilometern heftig zu schneien an. Die Temperatur war jetzt auf 1 Grad gefallen! Das zwang den Rest der Truppe abzusteigen, denn die dünnen Reifen fanden keinen Halt mehr in der 5 cm dicken Schneedecke. Alle hatten das Ziel unbeschadet erreicht, acht Helden waren geboren!

 

Text: Michael Reichardt

 

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