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Valkenburg in Holland_21.-23.09.2012

Die 79. UCI-Straßen-Weltmeisterschaften wurden vom 15. bis 23. September in der niederländischen Region Limburg ausgetragen. Gastgeberort war Valkenburg, wo die WM bereits 1938, 1948, 1979 und 1998 stattfand. Nicht umsonst präsentierte sich Valkenburg voller Stolz als Weltradlerstadt. Die Finals der Straßenrennen wurden auf einem 16,5 Kilometer langen Rundkurs über den Bemelerberg und den Cauberg ausgefahren. Oberhalb von Valkenburg lag hinter dem Cauberg die Ziellinie für alle Wettbewerbe. Als Fan und Freund von Judith Arndt reiste Thomas Schmalz, Mitglied des SV „Werra 07“ Hildburghausen, ...

...mit dem „Team GER Judith Arndt“ am Freitag, 21. September nach Holland. Dort hat er mit seinem Radsportfreund Alexander Loos, Mitglied im RC „RadlExpress“ Feucht, als Zuschauer das letzte Rennen von Judith begleitet. An der Strecke empfingen Beide eine Heerschar von begeisterten Radsportlern und Fans, die zu tausenden die Straßenränder säumten. „Ein unglaubliches Gefühl, dass es mir kalt den Rücken herunter laufen lies“, so Thomas Schmalz.  

Judith Arndt hatte ihren glänzenden WM-Schlusspunkt bereits am Dienstag bei ihrer erfolgreichen Titelverteidigung im Zeitfahren gesetzt. Jetzt galt es „nur“ noch das letzte Rennen zu absolvieren. Die Anspannung und Nervosität war nicht nur im Publikum, sondern auch im Feld der Fahrerinnen, zu spüren. Und da passierte es, wovor alle Radsportler Respekt haben. Ein Massensturz, direkt vor den Augen von Alexander und Thomas, die gerade das noch geschlossene Hauptfeld fotografierten. Chaos! Ein „Haufen“ von Rennrädern, der knapp 50 gestürzten Fahrerinnen, waren ineinander verkeilt. Etliche Mechaniker und Helfer versuchten ihre Sportlerinnen aus der Sturzzone wieder ins Rennen zu bringen. Für das deutsche Team fühlte sich in diesem Moment wohl keiner so richtig zuständig. Thomas sprang, nach kurzem zögern, über die Absperrgitter, um Judith Arndt den Weg vorbei am „Trümmerhaufen“ zu zeigen. Dafür nahm er ihr Rad mit zur Absperrung, sprang wieder darüber auf den Fußweg, hob das Rad in die Luft und trug es, vorbei am Rest des Sturzfeldes nach vorne bis auf die freie Strecke. Judith lief zugleich auf der Rennstrecke hinterher und bekam ihr Rad von Thomas wieder zugereicht. Sie stieg wieder auf ihr Rad und ab ging es, hinterher hinter dem führenden Peloton.

Judith konnte aus ihrem letzten Rennen leider keine Medaille mit in den Radsport-Ruhestand nehmen. Die Aufholjagd zu den Führenden und die schweren Berganstiege auf der 132-km-Strecke raubten ihre vorrätigen Kräfte. Die 36-jährige Leipzigerin verpasste als Achte und damit beste Deutsche das Podium nur knapp. Glücklich darüber, das letzte Rennen ihrer Karriere überstanden zu haben, sagte die Olympia-Zweite von London und dreifache Weltmeisterin, die nach 21 Jahren keine Lust mehr auf Quälerei hat: „Endlich ist es vorbei“!

Ich ziehe meinen Hut vor Judith Arndt und sage DANKE für die hervorragenden Leistungen ihrer Karriere und ihre Vorbildwirkung für den Nachwuchs im deutschen und internationalen Radsport. Wir werden uns auf jeden Fall persönlich wieder sehen, in ihrer neuen Wahlheimat Australien.

tsc

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